Smart #5 nach 5.000 km – Fährt brillant, denkt eigenwillig

  • Wir sind in drei Wochen jetzt gut 5000km gefahren und solange wir fahren, ist der #5 ein ausgesprochen angenehmer Begleiter, und wir sind sehr zufrieden - wollen aber hier einige subjektiv "verzwickt" bis "ärgerliche" Erlebnisse anführen, die unsere Erfahrungen insbesondere mit der Software des Autos wiederspiegeln sollen. Wir schreiben ihn als konstruktive Kritik an Smart und für alle Leidensgenossen, die dasselbe erleben und dachten, sie seien damit allein.

    Handbuch und Support: Stille Post mit Abschleppwagen

    Wer ein Auto mit so viel Software kauft, greift zuerst zum Handbuch. Beim #5 findet man dort vieles, nur nicht das Wesentliche. Eine Übersicht der Warnleuchten und Symbole und wo sie im Display erscheinen? Fehlanzeige. Stellenweise widerspricht sich das Handbuch selbst. Abläufe, die man täglich braucht, etwa die Anmeldung oder die Shortcuts zu den Fahreinstellungen, werden gar nicht erst erklärt. Man lernt das Auto also so, wie man früher Videospiele gelernt hat: durch Ausprobieren. Bleibt der Support. Der deutsche Kundendienst arbeitet nach unserer Erfahrung nach dem Prinzip der stillen Post. Anfragen wandern an eine nie greifbare „IT-Abteilung“, eigene Lösungskompetenz haben wir nicht erlebt.

    Der Höhepunkt kam beim ersten - von mehreren - Totalausfall der Displays. Ein Hinweis hätte genügt: Ein/Aus-Taste 20 Sekunden gedrückt halten, das System startet neu. Stattdessen bestellte der Support den ADAC zum Abschleppen. Ein Neustart wie beim Smartphone, gelöst mit dem gelben Engel.

    Parkassistent: Auf der Suche nach der perfekten Parkbox

    Der Parkassistent scheint für eine Welt gebaut, in der jede Parklücke sauber mit weißen Linien umrandet ist. Er braucht markierte Parkboxen, quer, schräg oder parallel. Die klassische europäische Lücke am Straßenrand, ohne Markierung zwischen zwei parkenden Autos, erkennt er schlicht nicht.

    Ist er doch einmal gestartet, kriecht der Wagen mit höchstens 3 km/h über sämtliche vorhandenen Fahrspuren, wenn es sein muss auch in den Gegenverkehr. Jeder unserer Versuche endete deshalb mit Abbruch. Zum Vergleich: Unser zwölf Jahre alter Mercedes GLK fand solche Lücken zuverlässig und übernahm das Lenken. Den Parkassistenten des #5 haben wir abgeschrieben. Wir parken wieder selbst, das können wir zum Glück noch.

    Smart Pilot und ACC: Der Beifahrer mit dem nervösen Fuß

    Auf langen Autobahnetappen möchte man sich vom adaptiven Tempomaten (ACC) und den übrigen Smart-Pilot-Funktionen entlasten lassen. Tatsächlich fühlt es sich oft an, als säße ein Fahrlehrer mit eigenem Bremspedal daneben, der sehr viel sieht, was es nicht gibt.

    • Phantombremsungen. Immer wieder bremst der Wagen auf der Autobahn ohne Not. Steilere Auffahrten hält das System offenbar für eine Kollision, LKW beim Überholen für ein Hindernis.
    • Phantomschilder. Die Verkehrszeichenerkennung sieht regelmäßig Schilder, die es nicht gibt, und der intelligente Tempomat bremst daraufhin massiv ab. Hier hört für uns die Ironie auf: Das ist gefährlich, vor allem für den nachfolgenden Verkehr.
    • Spurwechsel. Wir scheren hinter einem langsameren Fahrzeug nach links aus, wo ebenfalls jemand vorausfährt. Im Zwischenraum sieht das ACC kurz freie Bahn und beschleunigt beherzt, um auf der linken Spur angekommen kräftig abzubremsen.
    • Wiederanfahren. Beschleunigt der Vordermann, zieht das ACC nur zögerlich und langsam nach. Der Abstand wird zu groß, und wer hinter uns fährt, wird ausgebremst.
    • Bedienung. Die Wunschgeschwindigkeit per Tasten zu erhöhen ist mühsam, weil die Tasten träge reagieren. Auch danach beschleunigt der Wagen viel zu verhalten.

    Unter dem Strich warten wir beim Kernversprechen eines Assistenzsystems, der Entlastung, noch auf die Einlösung. Phantombremsungen und Phantomschilder gehören aus unserer Sicht ganz oben auf die Update-Liste und sind so gefährlich, dass wir meistens die Assistenzsysteme ausschalten.

    Navigation: Der Weg ist das Ziel

    Das Navi ist das Teil des Systems, mit dem wir am meisten diskutieren. Meist gewinnt es.

    • Karten im Kleinformat. Kartenmaterial gibt es nur pro Bundesland, nicht für ganz Deutschland. Der Download dauert Stunden. Wer quer durchs Land fährt, sammelt Bundesländer wie früher Stempel im Reisepass.
    • Route verlassen. Eine Ausfahrt verpasst? Dann folgt erst eine ausführliche Erklärung, dass man die Route verlassen hat. Danach kommt die Neuberechnung, zu langsam oder manchmal gar nicht.
    • Autobahnparkplätze. Fährt man auf einen Rastplatz ab, meldet das System „Route verlassen“. Der Parkplatz selbst ist für das Navi offenbar Niemandsland.
    • Ansagen: alles oder nichts. Die Sprachansagen sind übertrieben detailliert. Reduziert man sie, bleiben nur noch Töne. Ein Mittelmaß gibt es nicht.
    • Signalverlust. Dann empfiehlt das System: „Versuchen Sie es später noch einmal.“ Mitten auf der Strecke ein eher theoretischer Rat.
    • Nebengeräusche. Geräusche im Innenraum stoppen die Navigation. Ein lebhaftes Gespräch kann also das Ende der Zielführung bedeuten.
    • Zwischenziele. Eine Möglichkeit, Zwischenziele einzugeben, haben wir bis heute nicht gefunden. Das Handbuch hat sie uns jedenfalls nicht verraten.

    Aus welchem Jahrhundert? Radio, Notschlüssel, Lüftung

    Einige Details lassen uns fragen, in welchem Jahrhundert wir eigentlich unterwegs sind.


    Das Radio ist in Empfangsleistung und Bedienung vorsintflutlich. Einen Suchlauf gibt es nicht. Immer wieder fällt der Empfang komplett aus oder ein Sender geht verloren und wird nicht automatisch nachgeführt. Ein Auto, das Verkehrszeichen lesen möchte, verliert unterwegs den Lokalsender.


    Der Notschlüssel ist laut Anleitung nur mit „geeignetem Werkzeug“ zu erreichen. Welches Werkzeug das ist, verrät niemand. Im Notfall hat man es natürlich sicher dabei.


    Die unteren Lüftungsdüsen pusten über Kreuz. Die fahrerseitige bläst vornehmlich zum Beifahrer, solange man sie nicht ganz zum Fahrer dreht. Die beifahrerseitige bläst zum Fahrer. Gut gemeint, falsch herum gedacht.

    Fazit: Gutes Auto, Software in der Probezeit

    Der Smart #5 ist ein sehr gutes Auto, dessen Software ihm noch nicht gewachsen ist. Was den ADAC im Test überzeugt hat, überzeugt auch uns. Die gute Nachricht: Fast alles, was uns ärgert, ließe sich mit Updates und einem vollständigen Handbuch beheben.


    Unsere Wünsche an Smart:


    • Ein vollständiges, widerspruchsfreies, up-to-date elektronisches Handbuch mit Übersicht aller Warnleuchten und Symbole, Anmeldung und Shortcuts.
    • Ein Support, der selbst Lösungen kennt, zum Beispiel den Neustart der Displays, bevor er abschleppen lässt.
    • Updates für ACC und Verkehrszeichenerkennung, die Phantombremsungen und Phantomschilder abstellen.
    • Ein Parkassistent, der auch unmarkierte Lücken am Straßenrand erkennt.
    • Kartenmaterial für ganz Deutschland, eine zügige Neuberechnung und Zwischenziele.
    • Ein Radio mit Suchlauf und automatischer Sendernachführung.
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